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Bärbel am 26.06.2009 | 12:12
Das Allerwichtigste ist die ERHEBLICHE VERKLEINERUNG DER KLASSEN!! Konkret: auf 15 Schüler! Nur dann ist möglich, was guten Unterricht tatsächlich ausmacht: BEZIEHUNGSARBEIT! Diese braucht kleine, stabile Gruppen (echte KlassenGEMEINSCHAFTEN) und langfristige Kontinuität, statt stündlich wechselnder Gruppen und Bezugspersonen! Und natürlich auch Räume, in denen sich die Schüler zuhause fühlen können.

Dann können Lehrer, ähnlich wie in gut funktionierenden Familien, enorm viel bewirken, sowohl in Sachen Erziehung und Bildung, als auch für die Entwicklung stabiler Persönlichkeiten, die Aufarbeitung sozialisationsbedingter Probleme, die individuelle Förderung und die Lernmotivation - und zwar auf verschiedensten methodischen Wegen! Kinder (und auch die meisten Erwachsenen) lernen nämlich vorwiegend nicht aus "vernünftiger" Einsicht, sondern FÜR jemanden; vorzugsweise für "Ihre/n Lehrer/in", Eltern oder andere bedeutsame Bezugspersonen.

Nur, wenn Lehrer ihre Schüler sehr gut kennen und jeden einzelnen STÄNDIG (d.h. täglich, nicht nur in isolierten und standardisierten "Evaluations-Settings") wahrnehmen und begleiten können, lässt sich wahrhaft "individualisiertes" Lernen realisieren. Nämlich NICHT über "programmiertes Lernen" mit einer toten Zettelwirtschaft, die tatsächlich nur vereinsamt und die Lehrer vor lauter Verwaltung daran hindert, mit ihren Schülern LEBENDIG zu interagieren und jederzeit pädagogisch und methodisch zu reagieren. DAS ist nämlich guter, professioneller Unterricht! Nicht standardisierte Methoden und "Programme", die in Wirklichkeit die Individualität der Kinder in Normen pressen, statt den Einzelnen zu sehen. Also:
GEBT DURCH GUTE ÄUßERE BEDINGUNGEN DEN LEHRERN ENDLICH DIE MÖGLICHKEIT, IHREN BERUF WIEDER FACHGERECHT AUSZUÜBEN!
METHODENFREIHEIT ist neben kleinen Klassen ein wesentlicher Faktor, um sich wirklich individuell auf jede Lerngruppe und jedes Kind einstellen zu können.
Und was fachgerecht ist, das können ja wohl am besten die Lehrer selbst beurteilen, besonders die vielgeschmähten "alten" mit ihrer großen Erfahrung. Statt sie ständig öffentlich zu diffamieren, sie jeglichen Respekts und jeglicher Entscheidungsfreiheit zu berauben, dann aber vollsten, selbstzerstörerischen Einsatz unter widrigsten Bedingungen und zu keineswegs mehr dem angemessener Bezahlung zu verlangen. Die Burn-Out- und Teilzeit-Statistiken sprechen hierzu Bände!

FAZIT: Verschleudert nicht das Geld für einen fachlich unsinnigen Etikettenschwindel namens Primarschule, sondern steckt es stattdessen in die Ausstattung der grundsätzlich guten und VIELFÄLTIGEN vorhandenen Strukturen, damit diese auch zur Wirkung gelangen können!
Wir schaffen ja auch nicht die vielen Spezialkliniken ab, nur weil einzelne wegen mangelnder Ausstattung ihre Patienten nicht gut genug betreuen können. Werfen einfach alle möglichst lange in einen Topf und erklären den besorgten "Elitären und ewig Gestrigen", dass Gesundheit ansteckend sei...
Bärbel am 26.06.2009 | 12:57
Lieber Mario,
Punkt 1 Deines Kommentars (kein Geld verschwenden für leerstehende Räume an der einen und den Neubau von Räumen an anderer Stelle) stimme ich vollkommen zu.

Was aber den Urlaub von Lehrer betrifft, befindest Du Dich im Irrtum!
Lehrer haben nicht mehr Urlaub als andere! Sie ARBEITEN die darüber hinausgehenden Anteile aus der unterrichtsfreien Zeit VOR: Nach Lehrerarbeitszeitmodell beträgt schon die offizielle wöchentliche Arbeitszeit 46,57 Stunden!! Tatsächlich werden daraus wegen der vielen, in die Berechnung nicht einbezogenen Aufgaben, oft locker 60 Wochenstunden! Welcher andere Arbeitnehmer - außer so manchem Manager, der dann aber weit höher bezahlt, respektiert und vom Arbeitgeber mit einem voll und gut ausgestatteten Büro versehen wird - hat eine solche Arbeitszeit?

Hinzu kommt, dass Lehrer ohnehin regelmäßig am Wochenende, an Feiertagen, in den Ferien arbeiten müssen, weil es organisatorisch gar nicht anders geht; dass sie kaum planbare Freizeit haben, da sich mindestens jährlich (oft auch mehrmals im laufenden Schuljahr) die Stundenpläne ändern, sie zahlreiche Aufgaben wie Telefonate und die gesamte sonstige Büro- und Verwaltungsarbeit, nur außerhalb der Unterrichtszeit, also von zu Hause aus und natürlich auf eigene Kosten, erledigen können -
und dass die meisten sogenannten Fortbildungen schon jetzt äußerhalb der Unterrichtszeit stattfinden, an Wochenenden, in den Ferien oder gern auch mal spätabends (bis 22.00 Uhr). Wer dann noch Unterricht vor- und nachbereiten will, muss eine Nachtschicht einlegen, hat dann aber noch nichts gegessen, keine Pause gehabt, seine Familie nicht gesehen, seine eigenen Kinder nicht betreut, keinen Arzt aufgesucht, den Haushalt nicht versorgt, geschweige denn Körperpflege oder den vielgeforderten Sport zur Erhaltung der Arbeitskraft betrieben...
Dass Lehrer nachmittags frei und in allen Ferien auch selbst Urlaub haben, ist ein längst überholter Mythos!
Das bisschen Freizeit, das heute noch übrig bleibt, wird unbedingt und vollständig zur Wiederherstellung der Arbeitskraft benötigt!

Der heutige Schulbetrieb ist eine - in zahlreichen Studien eindrucksvoll nachgewiesene - kräftezehrende Höchstbeanspruchung! Das Heer der unfreiwilligen Teilzeiter/Innen und Burn-Out-Fälle belegt dies nachhaltig.
Wer möchte, dass Lehrer (und übrigens auch Erzieher) engagiert und erfolgreich für die Zukunft der Gesellschaft arbeiten, muss sie physisch und psychisch gesund erhalten.
Hier liegt ganz bestimmt KEIN Einsparpotential mehr - im Gegenteil!
Bärbel am 29.06.2009 | 23:54
100prozentige Zustimmung! Das Ganze ist ein machtpolitischer und ideologischer WAHNSINN, der alle Betroffenen in denselben treiben und unser Bildungs- und Gesellschaftssystem endgültig an die Wand fahren wird! Die katastrophalen Folgen dieses groben Unfugs ZU REPARIEREN, wird mehrere Generationen dauern und uns EIN VIELFACHES KOSTEN!
Da hilft auch das konsequente Ignorieren bereits GESCHEITERTER EXPERIMENTE mit schulischem Einheitsbrei, wie in Berlin, Hessen und der Schweiz (vgl. u.a. Berichte im Schweizer TAGESANZEIGER und in ZEIT ONLINE v. 27.06.2009) nichts.

All das könnten die Regierenden uns ersparen, indem sie - gerade noch zur rechten Zeit - den Mut aufbrächten, die Primarschulpläne sofort zu stoppten und umzusteuern! Weitaus kostengünstiger wäre es, in das prinzipiell alle erwünschten Möglichkeiten bietende bestehende System zu investieren, damit diese Möglichkeiten auch genutzt werden können - vor allem durch viel kleinere Klassen, mehr Lehrer und VIEL MEHR ZEIT FÜR DIE EIGENTLICHE PÄDAGOGISCHE ARBEIT.

Die WÄHLER würden solchen Mut zur Verantwortung sicher honorieren, so, wie sie auch der bisherigen machtpolitischen Fahrlässigkeit bereits bei der Europawahl eine deutliche Absage erteilt haben!
Bärbel am 30.06.2009 | 00:06
Genau. Und dass die Hamburger sich unter dem Wohl ihrer Kinder etwas anderes vorstellen als die Regierenden, das haben sie bereits bei der Europawahl deutlich demonstriert: gut 7% Stimmenverlust für die CDU, über 4% für die GAL. Wenigstens das sollte unseren Volksvertretern doch zu denken geben, wenn schon Sachargumente nicht beeindrucken...
Bärbel am 05.07.2009 | 20:29
Hallo Gwynneth (05.07., 12:27),

wenn ich Ihren Text lese, drängt sich mir ebenfalls ein Eindruck auf:

1. Sind "Lehrer und Beamte" für Sie keine gleichwertigen Menschen, die respektiert und deren Vorschläge und Meinungen ernstgenommen werden sollten?

2. Sind Sie der Meinung, dass "Lehrer und Beamte" sich besonders wenig für Soziales und Natur interessieren? So jedenfalls kommt für mich Ihre Verknüpfung mit den Themen "Sozialwohnungen und Baumbestand" rüber.

Eine solche Aussage wäre zum einen falsch - gerade bei diesen Berufsgruppen trifft wohl klar das GEGENTEIL zu - und zum anderen beleidigend und diskriminierend. Ich finde, zu solchen Mitteln sollte man nicht greifen, nur weil einem die Inhalte auf dieser Website nicht gefallen.

3. Ich habe eher den Eindruck, dass sich hier besonders viele ELTERN und andere, von den Schulreformplänen Betroffene, äußern, weil dieses Thema derzeit von größter Brisanz ist, wie ja auch die bei weitem häufigste Anwahl des Einsparvorschlags "VERZICHT AUF Einführung der PRIMARSCHULE" zeigt.

Im Übrigen weist die Statistik der Moderatoren eine mehrheitlich männliche Beteiligung aus. Das können gar nicht 90% "Lehrer und Beamte" sein, denn an Schulen arbeiten mit großer Mehrheit FRAUEN..

Und schließlich: Kein Teilnehmer dieses Forums kann etwas dafür, dass sich bestimmte Bevölkerungsgruppen nicht am Bürgerhaushalt (und anderen politischen Aktivitäten) beteiligen! Viele dieser Menschen gehen ja bedauerlicherweise auch nicht wählen.

ABER: Wer sich HIER beteiligt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein politisch interessierte WÄHLER - und daher für unsere Volksvertreter auf jeden Fall ERNSTZUNEHMEN - egal, aus welcher Klientel er/sie stammt!
Bärbel am 05.07.2009 | 21:00
Pfui für diesen diffamierenden Stil!
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