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Effizienz der eingesetzten Mittel

Moderator am 24.06.2009 | 10:54
Guten Morgen Frau Dr. Löffler, Herr Dr. Bräuninger und Herr Prof. Budäus,

im Rahmen unserer Diskussion es geht ja auch um die Effizienz der eingesetzten Mittel. So hat Herr Prof. Budäus zum Beispiel an anderer Stelle gesagt, Leistungserfassung und Wirkungsanalysen könnten hier einen Lösungsansatz darstellen.

Wie jedoch könnte ein sinnvolles System aussehen, um diese Analysen durchzuführen?
Wer nimmt diese Bewertungen vor und wie sollte mit internen Widerständen umgegangen werden?

Viele Grüße,
Birgit Hohberg (Moderation)




vorhandene Antworten
bräuninger am 24.06.2009 | 15:14
Hallo Frau Hohberg,

das größte Hindernis für eine Bewertung der Effizienz des Mitteleinsatzes sehe ich in einer mangelnden Definition von Zielen. Häufig werden politische Maßnahmen und Ausgaben mit einer Vielzahl von Zielen begründet, umgekehrt werden verschiedenste Maßnahmen ergriffen, um einzelnen Ziele zu erreichen. Schon deshalb ist sehr schwierig die Effizienz bestimmter Mittel zu beurteilen. In Teilen liegt das Problem in der Natur der Sache und lässt sich nicht einfach lösen. In Teilen gibt es aber auch unklare oder zum Teil widersprüchliche Ziele.
In jedem Fall müssen größere Maßnahmen evaluiert werden um zumindest im Nachhinein Erkenntnisse über deren Effizienz zu gewinnen. Dabei spricht vieles für externe Bewertung und eine Veröffentlichung der Ergebnisse. Dies erlaubt dann die letztendliche Bewertung im politischen Prozess.
Viele Grüße
Michael Bräuninger
veddel am 24.06.2009 | 17:42
Was ist Effizienz ?
z.B. für die Hafencity-Universität.
Was wird eigentlich gebraucht ?
Ein größeres, zentrales Gebäude, wo auch immer.
Design relativ egal / wichtig ist die Erreichbarkeit und die Fläche.
Was wird daraus ?
Ein städtebauliches Prestige-Projekt.
Die Mehrkosten für das "Prestige" werden aus dem Titel "Wissenschaft" finanziert, obwohl sie eigentlich dem Stadtmarketing zuzuordnen wären.
Wenn wir bei allen Projekten (U4 / Hafencity / Galopprennbahn / Uni-Umzug / Elb-Phil) den wirklichen Bedarf von dem daraus entstanden Anspruch trennen, wären die Haushalte viel transparenter.
Das gleiche gilt sinngemäß für Betriebskosten / Öffnungszeiten etc. der Institutionen z.B. Oper / Museen etc.
Es gibt Grundbedarf und die "Rosa Schleife" oben drauf. Diese kann sich der Steuerzahler inzwischen aber leider nicht mehr leisten.
Elke Loeffler am 24.06.2009 | 18:29
Sehr geehrte Frau Hohberg,

ich kann dem Kollegen Bräuninger nur zustimmen, dass die mangelnde Definition von Zielen die betriebswirtschaftliche Bewertung des Verwaltungshandelns schwierig macht. Allerdings schafft die Einführung neuen Haushaltsrechts wie etwa das Neue Kommunale Haushalts- und Rechnungswesen Anreize in den Verwaltungen mehr Ziele und Kennzahlen zu definieren. Der Kollege Budäus sieht das sicher auch als eine positive Entwicklung. Handlungsbedarf besteht aber noch bei der Verstärkung des Wettbewerbs auf der Anbieterseite. Aber auch mit der Nachfrageseite muss verstärkt eine Zieldiskussion geführt werden. Wie der Mitdiskutant Veddel anführt, muss offen über den (Mehr-)Wert öffentlicher Investitionsprojekte diskutiert werden. In Großbritannien wird beispielsweise Hochschulbildung nicht als „Grundbedarf“ angesehen, sondern als Privileg zukünftiger Besserverdiener, die deshalb ihre Hochschulausbildung selbst bezahlen müssen. Die Stadt Utrecht in den Niederlanden diskutiert daher solche Projekte bewußt mit den Bürgerinnen und Bürgern — vielleicht auch eine Idee für Hamburg?
Moderator am 24.06.2009 | 19:05
Hallo Frau Löffler, Herr Bräuninger und Veddel,

wenn ich jetzt das Beispiel des Teilnehmers Veddel aufgreife - Bau einer neuen Universität - stellt sich die Frage, wer definiert einerseits, wo der Grundbedarf aufhört ud die "rosa Schleife" anfängt und andererseits welchen "Mehrwert" ein solches Projekt tatsächlich implizieren kann (z.B. nicht nur Gebäude, sondern auch Touristenattraktion) und was es uns wert sein darf?

Andererseits scheint die Bewertung eines solchen "Großprojektes" noch einfacher als eine Evaluierung der täglichen und wenig Aufsehen erregenden Leistungen und der dazu gehörenden Arbeitsabläufe.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, um innerhalb der Verwaltung zu effizienteren Abläufen und Einsparungen zu kommen, ohne dass die Angst vor Stellenabbau hier ein konstruktives Miteinander verhindert?

Viele Grüße,
Birgit Hohberg (Moderation)
bräuninger am 25.06.2009 | 08:21
Liebe Mitdiskutanten,
ich glaube, man muss zwei Fragen trennen. Das eine ist die Bewertung von Projekten — also die rote Schleife. Was ist Grundbedürfnis und was geht darüber hinaus. Das sind sehr schwierige Fragen. Reicht eine Universität, die eine gute Grundausbildung liefert oder müssen wir Spitzenforscher ausbilden? Ich glaube, dass Hamburg zumindest in bestimmten Bereichen Spitzenforschung benötigt. Dann muss man auch in der Konkurrenz um Spitzenforscher gewinnen können: dazu gehören die Forschungs- und Arbeitsbedingungen zu denen auch Ausstattung, Lage und Attraktivität gehören. Generell gilt: Um für hochqualifizierte Arbeitskräfte attraktiv zu sein, muss die Stadt und ihr Angebot attraktiv sein. Dazu gehört z.B. auch eine besondere Konzerthalle wie die Elbphilharmonie. All dies betrifft das Angebot und die Qualität von Leistungen
Eine zweite, davon völlig gelöste Frage ist, ob eine definierte Leistung in definierter Qualität effizient, d.h. zu den geringst möglichen Kosten erbracht wird. Im Wettbewerb ist dies einfach: ein Unternehmen, das dazu nicht in der Lage ist, wird auf Dauer vom Markt gedrängt. Deshalb ist Wettbewerb eine effizientes System, das wo immer möglich angewandt werden sollte. Bei wirklich staatlichen Aufgaben ist Wettbewerb häufig nicht möglich. Da in diesem Fall die Evaluation nicht über den Markt erfolgt, muss sie in anderer Form erfolgen. Die Evaluation ist relativ nutzlos, wenn sie keine Konsequenzen hat. Dies bedeutet, dass letztlich auch immer die Möglichkeit zum Verlust des Arbeitsplatzes möglich sein muss. Dies heißt natürlich nicht, dass jeder bei jedem Fehler seinen Arbeitsplatz verliert. Und in diesem Sinne kann der „Druck“ geradezu dazu zwingen, konstruktiv miteinander zusammenzuarbeiten.
Viele Grüße
Michael Bräuninger
Budaeus am 25.06.2009 | 10:26
Liebe Mitdiskutanten,

zur Vermeidung von aktionistischen Prestigeobjekten - welcher Politiker neigt nicht dazu, sich mit derartigen Projekten zu "verewigen" - hier speziell der Hafencity-Uni bedarf es einer institutionell verbindlichen strategischen Gesamtplanung. Konkret bedeutet dies, dass Hamburg einen Universitätsentwicklungsplan etwa für die nächsten 15 - 20 Jahre benötigt, verbunden mit einer verbindlichen längerfristigen Finanzplanung.Nur wer ist schon bereit, sich damit systematisch - nicht nur unter kurzfristigen Gesichtspunkten (vgl. anschaulich die Diskussion um den Umzug der Universität)- zu beschäftigen.
Dietrich Budäus
bräuninger am 25.06.2009 | 11:43
Lieber Herr Budäus,
ich stimme Ihnen völlig zu. Dabei erzwingt ein langfristiges Konzept auch die Definition von Zielen und deshalb erleichtert es die Beurteilung der Effizienz.
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