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Kulturkrise?

Moderator am 09.07.2009 | 14:13
» Beteiligte
Boris, HaSe, chaoshacker, veddel, Michael, Betty Monaco, Ella, MSchweitzer, HWK, Antonia Hinrichsen, hjwaitz, danielB, gefilte fish, Kalidance, ZaphodB, gue.bue, Farmsener, hemmor, Hazza, Rogoraik, JulchenC88, Ebelt, Baja-Minu, Mac, Hoppetosse, lisa, seelenkarneval, SPHH, Tom Blaschke, Elbfischer, paul, Zunge, Fhw, Mariechen, J3nn!, Lucy123, Kanny, brigitteb, Spiesen, Monrak, Steuerzahler, Edith Möller


» Kurzbeschreibung
In Zeiten der Finanzkrise stellt sich die Frage, ob und wie Kultur, Medien und Sport weiter gefördert werden sollten. In solchen Zeiten hat dieser Sektor für einige keine Priorität, wäh-rend andere gerade jetzt in kulturelle und sportliche Angebot der eigenen Stadt investieren würden.


» Langfassung
Kultur in der Krise?

Für viele Teilnehmer spielt die Kultur momentan eine untergeordnete Rolle. Kultur, Sport wie auch Medienförderung sei in Krisenzeiten nicht das Vordringlichste und müsse deswegen in den Hintergrund treten. Allgemein sei Kultur zwar wichtig, aber soziale Probleme müssten vorgehen. Jetzt müsse man Geld für andere Behörden ausgeben, wie z.B. für Sozialprojekte oder für Bildung und Forschung. Allein Kita-Plätze seien erheblich wichtiger als Kulturveranstaltungen. Kunst, Medien und Sport böten sich für Einsparung, zumal vor allem die Kultur sich selber stärker tragen könne. Dazu müsse man Kultursubventionen kürzen und auch die Medien müssten mehr auf Privatgelder zurückgreifen.

Pro private Finanzierung

Kultur solle nach Meinung einiger teilnehmenden stärker durch private Investoren in Hamburg unterstützt werden. Einiger vertreten sogar die Ansicht, dass Kultur auch nur durch private Finanzierung richtig gelingen könne, da in Wirklichkeit nur die Reichen das subventionierte kulturelle Angebot nutzen würden. Somit könnten diese Besucher doch finanziell dazu beitragen. Nur öffentliche Museen sollten weiterhin von der Stadt mitfinanziert werden und insbesondere Schüler und einkommensschwache Personen Vergünstigungen erhalten.
Viele der Teilnehmer unterstützen die Meinung, dass Veranstaltungen stärker von denen bezahlt werden sollten, die dort auch hingehen, statt diese pauschal von allen Steuerzahlern finanzieren zu lassen. Zudem sollten „absurde Veranstaltungen“ keine Förderung mehr erhalten, wie zum Beispiel esoterische Selbstfindungskurse oder Förderung von Privatsammlern, die teure Ausstellungsräume bekämen. Touristen anlocken müsse Hamburg auch nicht mehr, als Musicalstadt hätte sie genügend Besucher und Touristen.

Pro staatliche Finanzierung

Nur wenige Teilnehmer sprechen sich für eine weitere staatliche Förderung der Kultur aus. Kultur sei vor allem in der Finanzkrise zu fördern, da man das „Nachdenken in Krisenzeiten“ nicht aufgeben sollte. Kultur solle auch einen größeren Stellenwert bekommen, so ein anderer Teilnehmer, und dazu könne man neue Museen und Theater einrichten.
Zudem erhöhe ein großes kulturelles Angebot die Lebensqualität. Die Bürger seien zufriede-ner, es fördere die Integration von Ausländern und auch wirtschaftlich könne es zu Stärkung des Standortes Hamburg bei IT und Medienunternehmen beitragen. Eine kulturell orientierte Stadtentwicklung sei der entscheidende Standortfaktor. Daher brauche eine kulturelle Vielseitigkeit und reiche Baukultur auch mehr staatliche Investitionen. Außerdem sei es auch ein Anziehungspunkt für Touristen. Auch Stadtteilkultur ist für einige Teilnehmer wichtig, denn sie sei förderlich für den Kulturaustausch zwischen den Bürgern und den sozialen Frieden.

Eine Teilnehmerin merkt an, wo die kulturelle Kreativität sprieße, wachse die Wirtschaft. Stadtentwicklung und Kulturförderung seien zwei Seiten einer Medaille. Das zeigen internationale Vergleiche. Wer „Metropolregion“-Philosophie betreibe, sollte Maßnahmen zur Bindung kreativer und innovativer Kulturkräfte Priorität in der Haushaltsdiskussion einräumen; d. h. Etaterhöhung von 15 % p.a. im Kulturhaushalt zu Lasten des Sozialetats, dessen Mindereinnahmen durch höhere Steuereinnahmen (sie o. a. Prämisse Wirtschaftswachstum) sukzessive ausgeglichen werden können. Ein aktives Kulturstandort-Marketing sei dabei ebenso notwendig (und dafür aufzuwendende Mittel — s. das Beispiel des Not leidenden Landes Bremen) wie eine Interessenbündelung der in der Hamburger Kulturlandschaft aktiven Kulturschaffenden für effizientes Standorfmarketing.

Förderung von heimischen Künstlern

Hamburg hätte viele anerkannte Hochschulen für den Musik-, Kunst- und Schauspielbereich. Allerdings würden die Studenten, die ihren Abschluss gemacht hätten, schnell wieder wegziehen. Da sie aber für die Subkultur Hamburg wichtig seien, sollte Hamburg kostengünstige Ateliers und zudem Förderprogramme für junge Künstler anbieten, um sie in der Stadt zu halten.

Umstrukturierung der Behörde

Einige Teilnehmer schlagen auch eine totale Auflösung der Behörde vor. Die Pflege der Bereiche sollten demzufolge die betreffenden Bezirke selbst regeln. Eine Auflösung würde Kosten reduzieren; das Geld könnte dann wieder anderen Behörden zugängig gemacht werden. Ein anderer Teilnehmer schlägt vor, dass die Behörde auf drei andere Behörden aufgeteilt werden könne: Die Sozialbehörde bekäme den Kulturbereich, die Wirtschaftsbehörde den Medienbereich und die Schulbehörde solle für den Sportteil zuständig sein.

Für Kürzungen sprechen sich viele aus. Vor allem in der Verwaltung sei das Budget momentan zu hoch. Einem anderen Vorschlag nach sollte die Kulturbehörde dem Senatsamt unterstellt werden, um Personalkosten einzusparen. Dadurch könne die Kulturförderung neu organisiert werden und neue Sponsoren gewinnen. So gäbe es beispielsweise ein niederländisches Kulturprogramm, welches darauf beruhe, dass es eine festgesetzte Summe für vier Jahre vergäbe, während der Rest durch private Mittel eines unabhängigen Kulturrates finanziert würde. Damit könnten insbesondere mutige, innovative und polarisierende Projekte gefördert werden. Ein solches System fördere den Kulturwettbewerb, den Hamburg dringend bräuchte.

Polizeieinsätze bei Kulturveranstaltungen

Hinzu fordern viele Teilnehmer, die Kosten für polizeiliche Schutzmassnahmen bei Großveranstaltungen, z.B. Fußballspiele, Konzerte, Sportveranstaltungen, auf den Nutznießer oder Betreiber zu übertragen. Allerdings sei die Sicherheit ein Kollektivgut und somit müsse auch jeder dafür zahlen. Eine Alternative könne eine Wachgesellschaft sein, die meist kostengünstiger arbeite, so ein Teilnehmer. Sie könne bei Veranstaltungen bis zu einer bestimmten geographischen Grenze agieren. Danach wäre wieder die Polizei zuständig. Zu beachten sei nur, dass die Veranstalter bereits für die Sicherheit zahlen würden und man außerdem eine vollständige Sicherheitskostenübernahme vom Gesetz her nicht an die Veranstalter abgeben könne.

Denkmalpflege

Einige der Teilnehmer sprechen sich dafür aus, die Denkmalpflege stärker zu fördern. Hamburgs Baukultur solle in Zukunft gesichert sein und außerdem wäre dieser Bereich seit Jahren Einsparungen unterworfen. Eine Förderung würde auch Touristen anlocken können, die sich die alten Bauten Hamburgs ansehen möchten. Ein anderer Teilnehmer wiederum behauptet, man hätte in Hamburg mit der Denkmalpflege maßlos übertrieben. Wenn man alte Zöpfe mal abschneiden würde, ginge das Abendland nicht unter. Touristen wüssten auch meist nichts über alte Bauten der Stadt. Hier könne Hamburg Kosten sparen.

Elbphilharmonie

Ein großes Thema war die Elbphilharmonie. Für viele Teilnehmer ist dies ein Prestigeobjekt, welches vor allem in Krisenzeiten viel zu kostenintensiv sei. Die Elbphilharmonie würde nicht nur an Baukosten den vorgegebenen Kostenrahmen sprengen, sondern auch später durch die Unterhaltungskosten. Wahrscheinlich würden sich letztlich auch nur die Besserverdienenden Eintrittskarten leisten können. Der Bau sei auch der Grund, wieso sich Hamburg erst verschuldet hätte. Daher sollten dort am meisten Kürzungen vorgenommen werden. Für einige sollte sogar der Bau ganz gestoppt werden und nur wieder angefangen werden, wenn private Mittel zur Verfügung stehen. Nur wenige sprechen sich für die staatliche Förderung der Elbphilharmonie aus. Ihrer Meinung nach sei sie ein Symbol der Stadt Hamburg und könne später durch Einnahmen auch weitere, vor allem soziale Projekte fördern. Dies sei umgekehrt nicht möglich.

Medien

Auch die Medienförderung ist für manche Teilnehmende in der Krisenzeit nicht notwendig. Medien sollten sich auch selbst tragen können. Die Medienförderung im Filmbereich solle gar beendet werden. Für einen Teilnehmer ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine anachronistische Institution, für den der Bürger viel Geld zahlen müsste, ohne dass er daraus einen Nutzen ziehe. Die Medienwelt sollte sich daher stärker selbst finanzieren.

Sport

Nur dem Sportbereich würden viele Bürger weiterhin staatliche Förderungen zugestehen. Sport solle vor allem in Schulen und bei Jugendlichen gefördert werden, da die Kinder zu dick werden. Kinder und Jugendliche bräuchten einen Freizeitausgleich und Sport wäre hier die beste Alternative. Auch Sportvereine sollten weiterhin aus staatlichen Mitteln finanziert werden. Zudem sei ein Ausbau von Sportstätten notwendig. Im Sportunterricht sollten auch die Lehrer mitmachen und nicht nur vormachen. Durch Sportförderung könnten die Jugendlichen von Ärger abhalten werden, den dieser sei eine Alternative zur Sozialarbeit. Stress und Aggressionen könnten so am besten vermieden werden. Sport stärke auch das Zusammengehörigkeitsgefühl. Geld, welches in die Medienförderung ströme, sei nach Meinung eines Teilnehmers besser im Jugendsport eingesetzt.
Nur wenige Teilnehmer halten eine private Finanzierung für sinnvoll, nach der Sportveran-staltungen durch private Gelder getragen werden.


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